Archiv für Juni 2008

Berliner Nachrichten

Donnerstag, 19. Juni 2008

In was für einer Stadt leben wir eigentlich?

Zurzeit teste ich (gedruckte) Tageszeitungen auf ihre Verwertbarkeit bei Frühstückstisch und Bahnfahrt. Ja, trotz meiner Print-Endzeitstimmung tatsächlich gedruckte Zeitungen — solange es sowas wie Amazons Kindle noch nicht in Deutschland gibt, muss es wohl Print sein. Mit dem Laptop am Frühstückstisch zu sitzen, finde ich nicht sehr entspannend; vor allem wenn dann die Brötchenkrümmel in die Tastatur fallen).

Ich teste also Tageszeitungen und habe bisher u. a. festgestellt: Ich kriege die Krise, wenn ich nur an das Feuilleton der Zeit denke. Die Frankfurter Rundschau ist aufgrund ihres handlichen Formats (etwas größer als Tabloid) die optimale ICE-Zeitung; leider ist sie aufgrund ihres fehlenden Lektorats (aus Kostengründen müssen bei der FR ernsthaft die Redakteure ihre eigenen Artikel lektorieren) und der damit verbundenen z. T. unfassbaren Orthographie- und Logikfehlerquote unlesbar. Die FAZ ist tatsächlich kaum mehr als ein sehr langweiliges bürgerliches Blatt. Die Süddeutsche hat die mit Abstand beste (weil lustigste) EM-Beilage und ist auch sonst sehr angenehm zu lesen — wenn sie auch nicht immer ganz aktuell ist (der SZ Slogan heißt: “Neueste Nachrichten aus den Bereichen…” — nur sind die eben nicht aktuell, sondern vom Vorabend. Früher sagte man: Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern. In Spiegel Online-Zeiten müsste man sagen: Nichts ist so alt wie die Zeitung von heute).

Berliner Nachrichten

Was aber bei allen diesen Tageszeitungen ein Problem ist: Sie haben keinen Berlin-Teil. Denn wenn man schon das Geld für ein Zeitungsabo ausgibt, so war meine Annahme, sollte man wenigstens auch ein paar Informationen aus der eigenen Stadt erhalten (mal abgesehen von den täglichen Bundespolitik-Nichtneuigkeiten).

Auf Daniels Anraten habe ich dann zuerstmal den Berlin-Teil von Tagesspiegel.de als Aushilfe genommen — und habe sogleich die Lust auf Nachrichten aus Berlin verloren. An einem einzigen, völlig willkürlichen Tag muss ich lesen: “Kinderrutsche mit Glassplittern präpariert“. “Messerattacke mit Baseballschläger abgewehrt“. “Fremdenfeindlicher Übergriff in Bus“. Das alles an einem Tag! So geht das täglich! Berlin ist ein Moloch.

Ich hatte irgendwann mal ein kostenloses Probeabo der Berliner Morgenpost — ich musste den Berlin-Teil überspringen, weil sonst meine Laune ehrlich im Keller war… das ist mir jetzt wieder eingefallen.

Wenn also Tageszeitung, dann nur ohne Berlin-Teil.

MC Shatterhand

Dienstag, 17. Juni 2008

Beim Durchforsten des Forums bin ich über ein Video gestolpert, dass einfach zu gut ist, um es nicht nochmal zu posten: MC Shatterhand. Je öfter man es anguckt, desto besser wird es… Ich wär fast vom Stuhl gefallen vor lachen.

Es gibt noch einen zweiten Teil, nicht ganz so gut, aber der Vollständigkeit halber:

Kommentar-Funktionen für Fotos

Freitag, 13. Juni 2008

Wie eh und je gehört der Foto-Bereich zu den beliebtesten Teilen dieser Homepage. Aufgrund des Datenschutzes habe ich die Fotos in einem passwortgeschützen Bereich abgelegt. Gleichzeitig wollte ich gerne erreichen, dass man die Fotos kommentieren kann, und wollte hierfür die Wordpress-Funktionen benutzen.

Das ist jetzt endlich geschafft. Ab sofort können alle neuen Foto-Seiten kommentiert werden. Nach und nach werde ich die Kommentar-Funktion auch in die alten Seiten integrieren. Nach wie vor werden aber Zugangsdaten benötigt, um die Bilder anzuzeigen.

Als erste Seite können ab sofort die Bilder von Miriams Geburtstag 2004 kommentiert werden. Man erreicht die Seite über den Foto-Index.

Begründeter Anti-Amerikanismus

Donnerstag, 12. Juni 2008

Der Supreme Court fällt ein lächerliches Urteil über die Rechte der Guantanamo-Gefangenen

Der amerikanische Supreme Court, das höchste Gericht der USA, hat entschieden: Die Gefangenen des US-amerikanischen Militärgefängnis’ in Guantanamo Bay haben das Recht, gegen ihre Inhaftierung vor ein ordentliches US-amerikanisches Gericht zu ziehen (Bericht auf CNN.com).

Für die Gefangenen in Guantanamo ist das natürlich ein großer Fortschritt — sie werden zum Teil seit sechs Jahren in einem völlig rechtsfreien Raum ohne Anklage oder juristischen Beistand gefangen gehalten. Ein klarer Verstoß gegen jegliche Menschenrechte, den Rechtsstaat und was weiß ich was.

Allerdings scheint das die Amerikaner nicht zu stören — jedenfalls nicht so sehr, dass sich größerer öffentlicher Protest dagegen geregt hätte (und, nebenbei, europäische Politiker scheint es auch nicht zu stören — jedenfalls hat kein europäisches Land die diplomatischen Kontakte zu den USA abgebrochen. Anders übrigens als im Jahr 2000, als die Mitgliedstaaten der Europäischen Union diplomatische Sanktionen gegen Österreich verhängten und sich nicht mehr mit dem österreichischen Bundeskanzler auf einem Foto ablichten lassen wollten, weil ein kleiner Fremdenfeind names Jörg Haider nach einer demokratischen Wahl an einer demokratischen Regierungsbildung beiteiligt war).

Jetzt hat das oberste Gericht der USA also ein Urteil zu den Gefangenen in Guantanamo gesprochen. Darin heißt es: “Die Gesetze und die Verfassung sind geschaffen worden, um auch in außergewöhnlichen Zeiten zu bestehen” (“The laws and Constitution are designed to survive, and remain in force, in extraordinary times.” Quelle: Entscheidung des Supreme Court, S. 70). Wahnsinn, oder?

Das oberste Gericht der USA hat also nach ein paar Jahren Bedenkzeit festgestellt, dass geltende Gesetze, nun ja, gelten. Klar dass eine derart kontroverse Entscheidung nur knapp mit 6 gegen 5 Stimmen fiel.

Aber noch besser: Geltende Gesetzte gelten laut dem Gericht nicht einfach nur, sondern sie gelten gar in außergwöhnlichen Zeiten! Auch in außergewöhnlichen Zeiten! Nicht zu glauben! Ich dachte bisher, Gesetze gelten immer, bis auf meinen Geburtstag! Bzw. bis auf den nächsten Schneesturm. Halt nur in gewöhnlichen Situationen…

Kann es wirklich sein, dass eine angebliche Demokratie über sechs Jahre braucht um zu bemerken, dass in einem Rechtsstaat Gesetze immer gelten, solange sie gelten (sie also nicht abgeschafft wurden)? Und überhaupt: außergeöhnliche Zeiten?! Was soll das sein? Wer legt das fest?

Die Amis machen es einem manchmal wirklich leicht, sie nicht zu mögen.

Oder wie Volker Pispers gesagt hat: Er höre immer, dass man sich vor unbegründetem Antiamerikanismus hüten solle — nur sei sein Antiamerikanismus eben alles mögliche, nur nicht unbegründet…

Fußball EM: Essenistfertig.net macht Pause

Mittwoch, 11. Juni 2008

Wer es noch nicht wusste: Momentan ist Fußball EM. Dies bedeutet natürlich, dass die Essenistfertig.net-Autoren momentan jeden Abend ab spätestens 18:00 vor der Kiste hängen und sich an Gerstensaft und Abseitsfallen laben. Darum macht Essenistfertig — zumindest für die Dauer der Vorrunde — eine Fußball EM-Pause.

Hier noch schnell das wahrscheinliche Ergebnis ab dem 11.06, 20:45 Uhr:

Gruppe A:
Schweiz 2:2 Türkei
Schweiz 1:4 Portugal
Tschechien 2:2 Türkei

Gruppe B:
Kroatien 1:2 Deutschland
Österreich 1:2 Polen
Österreich 0:2 Deutschland
Polen 1:2 Kroatien

Gruppe C:
Italien 3:2 Rumänien
Niederlande 2:1 Frankreich
Niederlande 3:0 Rumänien
Frankreich 2:2 Italien

Gruppe D:
Schweden 1:2 Spanien
Griechenland 0:0 Russland
Griechenland 0:3 Spanien
Russland 0:1 Schweden

Viertelfinale
Portugal 2:0 Kroatien
Deutschland 3:1 Tschechien
Niederlande 3:0 Schweden
Spanien 1:2 Italien

Halbfinale
Portugal 2:1 Deutschland
Niederlande 6:5 Italien (n. E.)

Finale
Portugal 1:3 Niederlande

Spiel um 3. Platz
Deutschland 5:4 Italien (n. E.)

Für Deutschland reicht es immerhin zum 3. Platz, die Niederlande werden verdient nach 30 Jahren wieder Europameister. Herzlichen Glückwunsch!

Und zum Zeitvertreib die hässliche Seite des Fußballs: Die miesesten Schwalben aller Zeiten.

Anne Will abschaffen!

Montag, 2. Juni 2008

Für einen kurzen Moment dachte ich, ich wäre zum ersten Mal in meinem Leben mit Friedbert Pflüger einer Meinung. Wie der Tagesspiegel heute meldete, fordert der erfolglose Fraktionsvorsitzende der Berliner CDU in der BILD die Absetzung der Talkshow Anne Will. Das will ich auch, dachte ich, bis Daniel mich freundlich darauf hinwies, warum er das möchte: Pflüger stört sich daran, dass Frau Will in ihrer Anmoderation behauptet hat, dass man mit der Linkspartei erfolgreich regieren kann. Und er stört sich an den Zahlen, die im Einspielfilm gezeigt werden. Deswegen möchte er sich als Rundfunkratsmitglied des, für die Sendung verantwortlichen, RBB für die Absetzung der Sendung stark machen. Richtiges Ziel, komplett falsche Gründe.

Warum die Gründe grundfalsch sind, ist offensichtlich - und es steht hier, warum Anne Will trotzdem weg muss leider nicht. Die Sendung von Anne Will nehmen viele Personen als “Politik” wahr, obwohl es nur eine erbärmliche, völlig ungelenkte Darstellung von Politik ist, die mit ihrer Herstellung nichts zu tun hat. Anne Will hat ihre neue Aufgabe mit dem Anspruch angetreten, die menschliche Seite der Politik zu zeigen. “Politisch denken, persönlich fragen”, ist das Motto, das zuverlässig jeden Sonntag Abend zum Totalabsturz führt. Da sitzt eine Moderatorin im Studio und ist in ihrer plüschigen “Lounge” völlig überfordert mit den Egos im Stuhlkreis. Es wirkt da fast wie eine Flucht, wenn sie sich im Laufe der Sendung zu den Sofas begibt, wo “echte” Menschen sitzen und unglaublich “bewegende” Geschichten aus ihrem Leben erzählen - so zum Beispiel am letzten Sonntag eine Frau, die nach einem missglückten Fluchtversuch aus der DDR Opfer der Stasi wurde. Das ist schlimm, klar. Aber was hat das denn bitte mit der Diskussion um die Zukunft des deutschen Parteiensystems zu tun? Was damit, wie die SPD mit der neuen Realität einer starken Linkspartei umgehen kann? Das eigentliche Thema des letzten Sonntags.

Vielleicht wären diese sentimentalen Einsprengsel auszuhalten, wenn Anne Will die Diskussion moderieren würde. Stattdessen übt sie die gleiche unverständliche Zurückhaltung, die schon ihre Vorgängerin Sabine Christiansen an den Tag gelegt hat. Man wundert sich, wofür denn da noch Gehälter bezahlt werden. Da sitzen an einem Sonntag Abend wichtige Persönlichkeiten aus der Politik zusammen, Fernsehkameras nehmen das Bild auf und fast alle Bürger könnten das Geschehen direkt beobachten. Und statt für eine inhaltliche Diskussion zu sorgen, lässt Anne Will die Gäste machen was sie wollen, bezieht kaum Antworten aufeinander und setzt mit den Folgefrage immer wieder neue Themen. Eine Diskussion, in der, im schönsten Sinn des Wortes, gestritten wird, also Argumente ausgetauscht werden und auf ihren normativen Kern hin überprüft werden, fällt aus. Einzelne Punkte fliegen wie Dartpfeile durch den Raum, Positionen werden artikuliert und durch Lautstärke belegt. Wenn das Politik wäre, dann hätte ich darauf auch keine Lust.

Das Potential einer politischen Diskussionsrunde lässt sich auf dem gleichen Sender 9:45h früher beobachten. Dort sind dann zwar Journalisten und nicht (grundsätzlich gockeligere) Politiker im Studio, aber trotzdem ist der Presseclub ein wichtiges und wohltuendes Beispiel, wie Politik im Fernsehen kommuniziert werden kann. Da sitzt sich ein politisch ausgewogenes Panel gegenüber und in ihrer Mitte sitzt ein Moderator oder eine Moderatorin, der oder die diesen Namen verdient. Die Sprecher beziehen sich aufeinander, oder werden dazu klar und deutlich aufgefordert. Einzelne Aspekte des Themas werden nacheinander abgehandelt. Auch am Ende dieser Sendung steht keine Einigkeit durch einen abgeschlossenen Deliberationsprozess, aber immerhin hat man als Zuschauer das Gefühl, die wichtigsten Argumente gehört zu haben.

Friedbert Pflüger hat Recht, wenn er die Abschaffung der Sendung “Anne Will” fordert. Sie sollte aber nicht abgeschafft werden, weil darin zu wohlwollend über eine sehr beliebte Partei gesprochen wird. Die Sendung sollte abgeschafft werden, weil sie ein völlig verzerrtes (und damit, ja, verachtenswertes) Bild der Politik zeichnet. Sie zeigt Politik als reinen Hahnenkampf, ohne Gewinner, ohne Perspektive auf Kompromiss. Sie zeigt nicht, wie über öffentliche Angelegenheiten (res publica!) konstruktiv gestritten wird und verschiedene Positionen zu einer für alle verbindlichen Regelung werden (können). Stattdessen gibt sie Politikern willentlich Raum um laut (in jeder Beziehung) für sie sich selbst zu werben und gegen die Anderen zu poltern. In der Politikwissenschaft wird zu recht darauf hingewiesen, dass durch diese Form der Politikdarstellung das Verständnis für die eigentlichen Prozesse bei der Herstellung von Politik verloren gehen. Falsche Erwartungen werden geschaffen, Ergebnisse sind unter dem Eindruck der Fernseh-Politik nicht mehr zu verstehen. Genau deswegen sollte die Sendung “Anne Will” abgeschafft werden.

Und wer nicht weiß, wovon ich da eigentlich gerade soviel erzählt habe:

Zukunftskonvent der SPD: Jens drittbester Sozialdemokrat

Sonntag, 1. Juni 2008

3. Platz für Jens auf SPD-Zukunftskonvent beim Videowettbewerb “Gute Arbeit! Film ab!”

Unser Jens, Musterstudent an der Dortmunder Werbe- & Medien-Akademie Marquardt, hat auf dem Zukunftskonvent der SPD in Nürnberg mit seinem Film-Beitrag den 3. Platz beim SPD-Videowettbewerb “Gute Arbeit! Film ab!” gewonnen.

Zur Belohnung für die Platzierung unter den besten drei Einsendungen durfte Jens auf den Zukunftskonvent nach Nürnberg fahren und sich die etwas schwurbelige, aber auch nicht völlig schlechte Rede von Kurt Beck anhören. Dort wurde er zwar von zwei Filmen der Konkurrenz (zu Unrecht) auf den dritten Platz verwiesen — dennoch ist das Ergebnis natürlich hervorragend, zumal der Film eine private Produktion ist und ohne jede finanzielle Unterstützung entstand: Jens ist nun ganz offiziell zum drittbesten (filmschaffenden) Sozialdemokraten aufgestiegen. Damit hat er nicht nur (einmal mehr) unter Beweis gestellt, dass er das Herz am rechten (nämlich linken) Fleck trägt, sondern auch, dass wir mit Fug und Recht einige Hoffnung in seine Zukunft als Filmschaffender setzen…

[Edit: hier gibt es die offizielle SPD-Pressemitteilung]

Hier also der von Jens (mit-)geschriebene Gewinner-Film mit Jens in der Hauptrolle und gesprochen von Jens:

Die Essenistfertig-Feuilleton-Kritik:

Inhalt und Botschaft des Films sind eingängig, originell und witzig. Die gewählte Bildersprache vermag den doch sehr ernsten Sachverhalt treffend und zugleich entspannt-ironisierend zu vermitteln. Leider wird diese gelungene Erzähltechnik nicht komplett durchgehalten; der zweite Teil des Films ist ungleich kitschiger und mithin weniger eindringlich als die mit großer Umsicht und Klugheit komponierte Einleitung. Gleichwohl muss dem Film zugute gehalten werden, dass es vielleicht gerade einer solch deutlichen, vermeintlich kitschigen Sprache bedarf, um die Botschaft allgemeinverständlich und unaffektiert unter das Volk zu bringen. Und am Ende steht über allem die filmische Leistung, jene Fragen, die dazu beitragen können, das Löchrige und die defekte Moral einer Gesellschaftsordnung aufzudecken, nicht automatisch in die Tragik eines Einzelschicksals zu lenken. Chapeau!

Server-Probleme

Sonntag, 1. Juni 2008

Aufgrund eines Fehlers auf dem Server sind die Essenistfertig.net-Stylesheets momentan nicht erreichbar, was zu dieser ungewohnt puristischen HMTL-Ansicht führt…

Die technische Abteilung arbeitet bereits an dem Problem.