Schwaben in Prenzlauer Berg — was wollt ihr eigentlich hier?
Erstellt am 22. Mai 2008 um 8:05 Uhr von Gonzo.Im Prenzlauer Berg entstehen erste, kreative Formen des Protests gegen die Invasion zugezogener Schwaben und anderer Süddeutscher:
Programmatischer Schlachtruf der Bewegung: “Schwaben in Prenzlauer Berg — was wollt ihr eigentlich hier?” Und eine Erklärung wird auch mitgeliefert: “Spießig, überwachungswütig in der Nachbarschaft und kein Sinn für Berliner Kultur.” Ergo: “Was wollt ihr eigentlich hier???”
Gefunden, fotografiert und weitergeleitet von Daniel.
Edit 12.08.08: Inzwischen berichten auch die großen Medien über den (tatsächlichen? vermeintlichen?) Konflikt zwischen Schwaben und, äh, wem eigentlich? Naja, also über dieses ganze Schwaben im Prenzlauer Berg-Ding halt:
- Stuttgarter Nachrichten: “Schwaben, was habt ihr hier verloren?” (27.06.08)
- Welt am Sonntag: “Schwaben-Hatz in Prenzlauer Berg” (08.06.08)
- Berliner Morgenpost: “Schwaben-Hatz in Prenzlauer Berg: Autonome pöbeln gegen Zugezogene” (08.06.08) und ein ähnlicher Artikel aus dem Lokalteil (08.06.08)
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man man man der Prenzelberger mal wieder wa ^^
Naja, aber du musst halt auch sehen, dass es wirklich viele Süddeutsche hier gibt. Ich jedenfalls kenne mehr Süddeutsche als einem lieb sein kann…
ja und ich finde diese aktion total gerechtfertigt
super aktion!!! mehr davon…
Unglaublich! Ich fühle mich diskriminiert und werde zusammen mit anderen Schwaben, verantwortlich für Aufschwung, Geld und Kultur im P’berg (meine Meinung), dagegen vorgehen.
Ich bin der Meinung, dass der aus Württemberg geflüchtete Schwabe hier mehr Gutes tut, als zu zerstören. Was ist denn mit den anderen Minderheiten? Badenern? Bayern? Rheinland-Pfälzern?
Wie wäre es, wenn die Schwaben im Bezirk Pankow mit einer eigenen Partei in den Bezirksrat einziehen? Eine entsprechende Mehrheit wäre sicherlich leicht zu bekommen. Vielleicht könnte man auch einen Tag des Protests machen, an dem alle Zugereisten auf Konsum verzichten, Ihre Geschäfte zumachen und in Lichtenberg betteln gehen! Vielleicht würden die Berliner Hetzer dann verstehen, wie wichtig die Schwaben und andere Minderheiten für ein funktionierendes Wirtschaftssystem sind.
schreibst du jetzt den selben Text in alle Foren ??
Hammer find ick geil!! und es passt!! Wer befreit uns nur von dieser Plage???
Hier ein Link zum Tagesspiegel. Wenn sich Gesellschaftskritik jetzt in nicht wirklich witzigem Popularisieren gegen “Ausländer” und der Forderung “Latte Machiato für alle” erschöpft, steht es noch schlimmer um die Linke als ich bisher befürchtet hatte…
@Daniel: Das ist zwar ein erzkonservativer Spruch, aber so eine Demonstration gegen Yuppies hat wirklich mal was von Neiddebatte. Ich würde wetten, die allermeisten der Demonstranten wohnen gar nicht im Prenzelberg. Gleichzeitig stören sich aber an irgendwelchen “Yuppies”, die hier wohnen, wollen nach eigenem Bekunden Latte Machiato trinken, können aber ihre Mieten nicht bezahlen — vielleicht sollten sie sich lieber darum kümmern, ihre Finanzen in den Griff zu bekommen, statt sich darüber aufzuregen, dass andere sich mehr leisten können und in einer schönen Gegend wohnen…
Ich versteh so eine Demonstration wirklich nicht: Selbst wenn viele von denen schon länger hier wohnen würden, als irgendwelche “Schwaben” — was bedeutet das schon? Haben sie deswegen ein größeres Recht, hier zu wohnen? Das riecht nach Linksfaschismus.
@Renné ich glaube du bist ganz genau die spezies von Leuten für die die 500 Leute da waren…und glaub mir die meisten kamen ausm P-Berg…ick hab zwei unternehmen die super laufen und glaube auch ein bisschen mehr kohle als du keule…ick war trotzdem da weil ich leute wie euch hier nicht mehr ausstehen kann! es geht nicht direkt um schwaben…es geht vielmehr um das ganze versnoppte öko-volk was in den pberg zieht…
eine Frage fühlst du dich eigentlich wohl in einer gegend zu leben wo andere leuten zwanghaft wegen deinem schönen lebensstil wegziehen müssen, weil durch die viele nachfrage die mieten ins unermessliche steigen?? wenn ja tust du mir echt leid…und lieber linksfaschistisch als anders rum atze
Lieber Atze,
ich freue mich, dass du mehr Kohle hast als ich. Aber wenn das so ist (und wahrscheinlich ist es so), bist es dann nicht eher du der den Lebensstandard im Prenzlauer Berg in die Höhe treibt?
Mit dem Öko hast du vielleicht recht (immerhin kaufe ich mein Brot beim Bio-Bäcker auf dem Kollwitzplatz-Wochenmarkt). Was daran aber schlimm wäre, und weswegen deshalb Leute hier wegziehen müssten, ist mir nicht klar.
Das ich versnobt wäre, würde ich andererseits nicht behaupten. Im Gegenteil, ich ärgere mich auch ziemlich oft über diese anstrengend-bemühten, “superlockeren” Prenzelberger. Von daher liefere ich durch meine Art wohl auch keinen Grund, aus dem Prenzlauer Berg wegziehen zu müssen.
Wie du selbst sagst: “…ick war trotzdem da weil ich leute wie euch hier nicht mehr ausstehen kann!” Es scheint hier weniger um ökonomische Fragen zu gehen (dass du hier wohnst, trägt genauso zur Mietpreisbildung bei wie die Tatsache, dass ich hier wohne), sondern vielmehr darum, dass du bestimmte Leute nicht leiden kannst, die halt irgendwie anders sind. Es handelt sich also um kulturelle Phobie deinerseits, auch Fremdenfeindlichkeit genannt.
Und ob man Leute aufgrund linker Vorstellungen (Weltanschauung) ablehnt, oder aus rechtem Gedankengut (Rasse), ist mir eigentlich egal. Beides ist dumm, und, naja, asozial.
Ach ja, die weltoffenen Hauptstädter. Nun weiß ich aber auch, warum die Linken beim Thema Migrantenproblematik so gern beide Augen zudrücken. Dadurch wird das Wohnen nämlich billiger…
Da ich hier klar am meisten Geld von euch allen habe, melde ich mich nun auch mit einem sachkompetenten Kommentar zu Wort. Man sollte derlei Aktionen der wahrscheinlich alteingesessenen Berliner menschlich gesehen als ein letztes Aufbäumen begreifen, denn das Berlin mit dem Sie sich identifizieren wird es sicherlich nicht mehr lange geben. Die Gründe liegen auf der Hand: Das alte Berlin strahlt durch Attribute wie: Schnoddrigkeit, Individualismus, Trümmerfrauen, schlechte Haut,Verwahrlosung, Psychose, Arbeitslosigkeit, Lieblosigkeit usw… Das sich solche Werte nicht effizient verteidigen lassen (zumindest nicht mit einem Kampfgeist dem die selben Attribute zu Grunde liegen) liegt nun mal in der Natur der Natur. Wie immer wenn die Natur zu schwach ist um aus eigener Kraft zu überleben, könnte man Berlin unter Naturschutz stellen, doch vielleicht sollte man daran erinnern dass Verfall und Schwäche nicht prinzipiell unbedingt schützenswertes Gut sind, Thyphus und die Pocken sind ja auch fast ausgestorben und werden nicht geschützt.. Und so muss man mit der Mutti-M8-Bio-Ordnungswahn-Enklave Prenzlauer Berg leben, die mit ihrem Stachel die langweiligen mittelständischen Gifte Ordnungswahn, Vernunft, Wellness und gutes Kochen in das unwillige Fleisch Berlins injeziert. Bleibt nur zu hoffen, dass die motzende Unterklasse Berlins nicht zu schnell das sterni ins korn schmeisst, denn wegen ihrem unfreundlichen Looser-Charme sind wir schließlich hergekommen, unter schwachen fühlt man sich einfach wohl. Allgemein ist das hier aber auch das falsche Medium um solch ein Thema angemessen zu diskutieren – bei einigen gut gekühlten Flaschen Champagner in meinem neuen Kaminzimmer vielleicht lieber ?…
Flex Daimler, ein pointierter und wohldurchdachter Beitrag. Jetzt ist zu dem Thema wohl alles gesagt. Vielen Dank für die Klarstellung!
[...] Essenistfertig diagnostiziert eine “erste kreative Form des Protests”. Kommentiert wird auch; z.B: “Naja, aber du musst halt auch sehen, dass es wirklich viele Süddeutsche hier gibt. Ich jedenfalls kenn mehr Süddeutsche als einem lieb sein kann.” [...]
Also ich muss schon sagen, im ersten Moment habe ich mich ja echt gefreut, dass so viele Menschen eine ähnliche Ansicht haben wie ich. Ich nenne diese Kategorie Mensch zwar nicht Schwabe sondern “Medien-Kai”, aber ich denke wir meinen alle diese möchtgern hippen Typen, die mitte 30 sind, einen rassierten Kopf haben, immer eine schwarze Hornbrille und ihre Hemdkragen immer hochgesteckt tragen. Auf dem Weg mit der M1 in die Agentur nach Mitte noch ihren Latte-Macchiato-Einlauf mitnehmen und dann ganz wichtig sind. Die nerven mich auch irgendwie, aber nachdem ich mir hier einige andere Meinungen durchgelesen haben, muss ich doch meine Haltung zumindest überdenken und nicht ganz so hart formulieren. Denn einfach zu sagen “Raus aus P-Berg und basta” ist ja wirklich ziemlich doof. Berlin ist eine weltoffene Metropole und unter anderem nur deshalb, weil sich hier immer jeder so entwickeln konnte wie er wollte. Sind die meisten von uns nicht deshalb in eine Großstadt gezogen? Weil wir alle etwas anders sind und es hier am ungestörtesten sein können? Vielleicht sollten wir als die so genannten “Schwaben-Gegner” unsere Werte nur viel stärker nach außen tragen und somit dafür sorgen, dass die Yuppie-Gesellschaft nicht Überhand nimmt. Ich habe zwar jetzt keinen Ansatz für diesen Vorschlag, aber vielleicht könnte man darüber mal nachdenken, wie man ohne Hass-Parolen unsere Anschauungen durchsetzen kann. Ich hoffe ich klinge nicht belehrend, das will ich nämlich nicht, aber ich denke ihr versteht was ich meine.
Ihr seid Rassisten. Konzepte wie Gentrifizierung und Kapitalismus sind euch zu schwierig, für euch sinds halt die Schwaben bzw. die jüdischen Heuschrecken.
Für mich war früher der Prenzlauer Berg kein “schicker” Bezirk, nicht wo man wohnen möchte “weil’s so schön ist” - nein. Die verotteten Häuser waren nicht schick, keiner wollte sie so - aber auf der anderen Seite war auch der Staat abwesend, er hatte da nicht viel zu repräsentieren. Dafür waren die Menschen eine sehr breite Mischung aller sozialen und intellektuellen Schichten. Loses Volk, Arbeiter neben Studenten, neben Künstlern - sehr authentisch das alles. Es war ein Freiraum. Heute ist jeder qcm besetzt und kommerzialisiert, Prenzlauer Berg ist vom subversiven Zustand in die angepassteste Zone Deutschlands durch gut integrierte Selbstverwirklicher geworden. Das ödet auch mich an. Hergezogen ist ein ganzer Hofstaat mit ihren Spass- und Gourmet-Institutionen einer tötlich gelangweilten Spezie, denen im Grunde alles Egal ist - außer der schicke Moment.
“Einheimische” findet man darunter zuweilen auch. Das ist nicht der Punkt. Nichtmal ob es nun Schwaben oder andere sind. In rel. kurzer Zeit hat hier eine Art Zeitgeist Besitz von einem traditionsreichen Bezirk ergriffen, die NULL Perspektive zu bieten hat, die vor allem als Hedonisten hervorragende Konsumenten sind - im Grunde alles arme Wichser, die sich hier ihr persönliches Heilland schaffen. So um 1990 entstand mal folgender Witz: Ein Reisebus aus Westdeutschland hält vor dem Cafe 1900 am Kollwitzplatz. Alle strömen in das Cafe, bestellen Kaffee und Kuchen. Ein zweiter folgt bald darauf. Wieder strömen die Touristen in das Cafe und tuscheln sich am Eingang, verstohlen auf die Reisegruppe zeigend zu: und das hier sind die Künstler aus dem Prenzlauer Berg…
Traurig bleibt, dass erst jetzt reagiert wird. Über das “wie” lässt sich streiten. Wir wohnen auch (noch) im Prenzlauer Berg. Ein letztes alternatives Haus (klar mit Aussenklo ect. - warum nicht). Musiziert haben wir dort schon immer. Mittlerweile kommen - was früher nie der Fall war - Nachbarn aus dem Nachbarhaus (mit dem man nicht mal den Hof gemeinsam hat!), die genauso wie der schon genannte “Medienkai” aussehen, um sich über die letzten Veteranen der Altberliner Kultur zu beschweren. Es wurde die Frage gestellt nach Mitteln, die man einsetzen könnte etwas gegen diese Entwicklungen zu tun: Wir haben nun unseren Proberaum im Haus massiv aufgerüstet. Auch das Schlagzeug wurde neu bestückt, um zivilen Ungehorsam noch exzessiver zu leisten. Denn dieser ist mindestens genauso viel wert wie Kapitalismus und “Aufschwung”. Das werden wir so weiter machen, wenn wir dem Prenzlauerg Berg so noch ein Stück Kultur erhalten können. Auch wenn der “Medienkai” nix davon versteht - noch nicht…dann muss er es entweder lernen oder wegziehen.
Ich habe von dieser Debatte relativ spät erfahren, was daran liegt, dass ich nicht in Berlin wohne, sondern in Frankfurt. Bin aber ursprünglich aus Stuttgart und Urschwabe! War (!) immer großer Berlin-Fan, ohne jetzt gleich dahinziehen zu wollen (es gibt auch andere große Städte in Deutschland, in denen man besser lebt wie in Berlin)! Ich fragte mich jedoch trotzdem immer wieder warum diese Identifikation mit dem neuen Gesamtdeutschland und Berlin als Hauptstatdt uns allen so schwer fällt - diese Kampagne beantwortet wohl meine Frage - alles was irgendwie Yuppie ist, ist kapitalisitisch - schwäbisch! Leute wir leben nunmals in einem solchen System (mit dem die Mehrheit einverstanden ist, da sonst ja eine Revolution schon ausgebrochen wäre), und wenn man sich einfach ein bisschen anstrengt, ist es doch nicht so schwer hier zu leben - warum wollten die Menschen die DDR denn nicht haben! Das gerade die ultra-alternativen Leute aufs tiefste intolerant gegenüber normalen demokratischen Menschen sind, obwohl sie sich doch solche Prinzipien selbst unterstellen ist doch ein Widerspruch in sich! Naja vielleicht ist der gemeine Süddeutsche halt doch anders als der Preuße (bin schließlich schneller in Paris als in Berlin) - und wenn solche Tendenzen (s. Jugoslawien) sich in der Gesellschaft festetzen, werde ich vielleicht eines Tages den Baden-Württembergischen oder Hessischen Pass haben - vielleicht studieren meine Kinder dann an einer besseren Uni, weil dafür dann hier mehr Geld übrig ist … (IRONIE, hör mich schon an wie ein Slowene 1990) ! Also lasst uns alle mal zusammenreißen - wir sind alle eine Gesellschaft, trotz unterschiedlicher Meinungen und die Hauptstadtarroganz sollte auch mal ein bisschen nachlassen! Gude aus Frankfurt