Polylux und die Hedonistische Internationale

Erstellt am 11. April 2008 um 18:07 Uhr von Gonzo.

Oder: Wie leicht sich Medien (manchmal) austricksen lassen

Das ARD-Magazin Polylux ist Opfer eines Betrugs geworden. Das “Kommando Tito von Hardenberg” der sogenannten “Hedonistischen Internationalen” hat einen fingierten, nämlich frei erfunden Interviewpartner in einen Beitrag von Polylux geschleust (genaueres im Bekenner-Blog). Tja, sowas kann wohl passieren — leider konnte ich aber noch nicht herausfinden, wie genau der falsche Interviewpartner in dem Magazin platziert wurde (aha, eben berichtet Spiegel Online).

Nun, natürlich soll mit dieser Aktion, die auf unzähligen Blogs unendlich diskutiert wird, die gesamte Medienbranche an den Pranger gestellt werden — vor allem ihre Unfähigkeit oder ihr Unwillen zu eingehender Recherche. Stimmt schon, Polylux war nachlässig, aber geschenkt — wer hätte nicht damit gerechnet?

Was ich umso bemerkenswerter finde ist, wie Polylux mit der Sache umgeht: Das entsprechende Video des Beitrags haben sie von ihrer Seite genommen und dazu folgenden Kommentar abgegeben:

Wie es aussieht, hat sich ein falscher Protagonist das Vertrauen der Redaktion erschlichen. Wir sind derzeit dabei, die Vorwürfe zu prüfen. Bitte habt Verständnis, dass wir erst Klarheit haben müssen, bevor wir den Beitrag weiter verbreiten. Denn falls die Vorwürfe stimmen, wollen wir dem falschen Protagonisten nicht weiter ein Forum geben.

Das war ich nun doch einigermaßen überrascht. Zum Glück hat ein couragierter Nutzer namens “Borderliner” dazu an gleicher Stelle einen Kommentar geschrieben, den ich selber nicht schöner hätte formulieren können:

Sacht mal gehts noch?
Was für ne feige Drecksnummer!
Ihr fahrt ne miese (Des-)Informationspolitik! Ihr habt bei mir total verschissen! Das war doch ne intelligente und witzige Nummer und ihr macht einen auf beleidigte Leberwurst! Scheisse ist das peinlich!
Wenn ich jetzt nicht arbeiten müsste würde ich euch stundenlang weiter beschimpfen müssen. Witzfiguren!
“Vertrauen erschlichen”, ihr redet ja wie Nazis, denen man ihr Heiligtum, den Angstschiss des Führers entwendet hat.
Kommt mal zu Verstand! Ihr wurdet vorgeführt! Echte Größe würdet ihr beweisen, wenn ihr selbstkritisch und humorvoll damit umginget. Aber das hier ist nur noch zum Kotzen!

Da musste ich dann doch schmunzeln. Aber “borderliner” hat schon Recht: Was für eine schlechte und vor allem völlig unnötige Reaktion von Polylux. Alles in allem ein schönes Beispiel dafür, wie man, wenn man sich entsprechend verhält, aus einer Lappalie einen richtigen Aufreger machen kann.

Achso, Stichwort “Hedonistische Internationale” — kennt die jemand? Hat man sonst schonmal was von denen gehört? Sind das die Typen, die in Hamburg in Superhelden-Verkleidungen die Partys von reichen Leuten stürmen und das Essen wegfuttern?

Edit: Den orginalen Polylux-Beitrag gibt es bei Google Video zu sehen (funktioniert mit Firefox möglicherweise nicht richtig).

Nachtrag 25. Mai 2008: Wie bekannt wurde, stellt der RBB das Format Polylux Ende 2008 ein (Quelle: Tagesspiegel.de). Grund hierfür sind Sparzwänge. Laut Spiegel Online habe sich das Magazin jedoch auch “einfach zu viele Fehler geleistet”.

2 Kommentare zu “Polylux und die Hedonistische Internationale”:

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  1. Bei Spreeblick gibt’s auch einen schönen Beitrag zu dem Thema. Yo, html, Alter!


  2. Stimmt, der Spreeblick-Artikel ist gut. Die ganze Sache wundert mich nun nochmehr, nachdem ich den Polylux-Beitrag gesehen hab: Der ist nun wirklich nicht besonders toll (um nicht zu sagen: an den Haaren herbei gezogen) — vor allem aber ist der angebliche Fake-Interviewpartner noch am glaubwürdigsten… Ich dachte, wenn man schon jemand in eine Sendung schmuggelt, dann müsste der wenigstens irgendwas verrücktes erzählen. Aber der war so “normal”, dass es keinen Unterschied gemacht hätte, wenn Polylux tatsächlich irgendeinen Übergewichtigen auf Speed-Diät gefunden hätte. Und solche Leute gibt es mit Sicherheit.

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